Vor der Operation: Wenn der erste Eindruck einen bitteren Beigeschmack hinterlässt

Je näher der geplante Krankenhausaufenthalt rückt, desto mehr kreisen meine Gedanken. Für andere mag die vorstationäre Aufnahme nur eine Reihe notwendiger Termine sein. Für mich bedeutet sie sehr viel mehr. Durch mein Asperger-Syndrom brauche ich klare Abläufe, verlässliche Informationen und das Gefühl, zu wissen, was als Nächstes passiert. Unbekannte Räume, fremde Menschen, wechselnde Ansprechpartner und viele Eindrücke auf einmal bringen meine innere Ordnung schnell ins Wanken. Ich hatte gehofft, dass mir die vorstationäre Aufnahme ein wenig Sicherheit geben würde: Alles Wichtige sollte bereits vorher erledigt werden, damit ich mich am Tag der Operation nicht auch noch mit Untersuchungen und Formalitäten auseinandersetzen muss.

Die erste ernüchternde Erfahrung

Doch bereits bei der Anmeldung bekam dieses Gefühl von Sicherheit einen tiefen Riss. Ich gab meine Versichertenkarte ab und beantwortete die üblichen Fragen. Als die Mitarbeiterin hörte, dass ich eine Rente beziehe, sah sie mich an und sagte: „Wie, Sie bekommen Rente? Sie sind so alt wie ich, und ich muss noch gefühlt 20 Jahre arbeiten.“ Dabei rollte sie mit den Augen und verzog das Gesicht. In diesem Moment fühlte ich mich nicht wie ein Mensch, der Hilfe braucht, sondern wie jemand, der etwas Unrechtes getan hat. Ihre Worte trafen mich unerwartet und hart. Der Ablauf, den ich mir vorher mühsam im Kopf zurechtgelegt hatte, geriet plötzlich durcheinander.

Dann kam die Frage nach dem Pflegegrad. Als ich ihn angab, sagte sie sinngemäß: „Einen Pflegegrad haben Sie auch? Mein Vater hat keinen bekommen und ist dann gestorben.“ Wieder dieser Ton, wieder dieser Blick. Ich wusste plötzlich nicht mehr, wohin mit mir. In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken: Muss ich mich jetzt erklären? Muss ich aufzählen, was ich alles nicht kann? Muss ich beweisen, dass meine Rente und mein Pflegegrad berechtigt sind? Für einen kurzen Moment hatte ich tatsächlich das Gefühl, mich für mein Leben entschuldigen zu müssen – dafür, dass ich krank bin, Unterstützung brauche und mein Weg anders verlaufen ist als ihrer.

Ein Urteil, ohne die Geschichte zu kennen

Sie kennt meine Geschichte nicht. Sie weiß nicht, wie viel Kraft mich mein Alltag kostet, welche Einschränkungen ich jeden Tag ausgleiche und wie oft ich versuche, nach außen ruhig und unauffällig zu wirken. Mein Asperger-Syndrom und viele meiner Belastungen kann man mir nicht einfach ansehen. Vielleicht wirke ich gefasst, während in meinem Inneren längst alles laut wird. Worte, Blicke und Gesichtsausdrücke nehme ich sehr genau wahr. Ich kann sie nicht einfach abschütteln. Sie bleiben in meinem Kopf, wiederholen sich und lassen mich noch lange darüber nachdenken, was ich angeblich falsch gemacht habe. Genau deshalb verletzt es so sehr, innerhalb weniger Augenblicke nach meinem Aussehen beurteilt und in eine Schublade gesteckt zu werden.

Die Angst vor dem Kontrollverlust

Zu all diesen Gedanken kommt die Angst vor der Narkose. Schon die Vorstellung, die Kontrolle vollständig abzugeben, macht mir große Sorgen. Kontrolle bedeutet für mich Sicherheit. Ich möchte verstehen, was geschieht, mich innerlich darauf vorbereiten und selbst reagieren können. Bei einer Narkose ist genau das nicht möglich. Ich muss fremden Menschen vertrauen, während ich nichts mehr wahrnehme und nichts beeinflussen kann. Was passiert beim Einschlafen? Werde ich wieder rechtzeitig wach? Wie fühlt sich mein Körper danach an? Was ist, wenn etwas anders läuft als angekündigt? Diese Fragen drehen sich immer wieder in meinem Kopf. Ruhige Erklärungen, eindeutige Absprachen und ein verlässlicher Ablauf können diese Angst nicht ganz nehmen, aber sie geben mir etwas, woran ich mich festhalten kann.

Der weitere Ablauf funktioniert gut

Nach der Anmeldung ging es weiter zur Blutabnahme und zum EKG. Danach sprach ich mit dem Arzt der Fachabteilung, der die Operation durchführen wird, und anschließend mit dem Narkosearzt. Zum Schluss brachte ich meine Akte auf die Station. Organisatorisch lief alles gut. Mit jedem erledigten Schritt wusste ich ein wenig besser, was mich erwartet, und das gab mir etwas Orientierung zurück. Eigentlich hätte ich erleichtert sein können, weil nun fast alles für den Operationstag vorbereitet war. Doch die Worte von der Anmeldung gingen die ganze Zeit mit mir. Sie hatten sich festgesetzt und überschatteten selbst die Begegnungen, die ruhig und professionell verliefen.

Respekt darf keine Nebensache sein

Was von diesem Tag bleibt, ist deshalb nicht nur das Gefühl einer gut organisierten Vorbereitung. Es bleibt auch die Verletzung darüber, dass ich mich in einem Krankenhaus für meine Lebenssituation schämen sollte. Ich möchte nicht erklären müssen, warum ich eine Rente bekomme. Ich möchte meinen Pflegegrad nicht verteidigen und meine Einschränkungen nicht vor fremden Menschen offenlegen müssen, nur damit mein Leben glaubwürdig erscheint. Ich habe mir diesen Weg nicht ausgesucht. Gerade vor einer Operation bin ich ohnehin voller Sorgen, angespannt und mit der Angst beschäftigt, die Kontrolle abgeben zu müssen. In einem solchen Moment brauche ich kein Urteil, sondern Menschlichkeit. Ein freundlicher Blick, ein ruhiger Satz und ein respektvoller Ton hätten mir Sicherheit geben können. Stattdessen blieb das Gefühl, nicht gesehen, sondern bewertet worden zu sein. Und genau das sollte einem Menschen an einem Ort, an dem er Hilfe und Schutz sucht, niemals passieren.

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