Es gibt Hotels, bei denen man schon bei der Ankunft spürt, welches Versprechen einmal in ihnen gesteckt hat. Das Long Beach Resort in Hurghada, vielen noch unter seinem früheren Namen Hilton Long Beach Resort bekannt, ist genau so ein Ort. Die Anlage ist riesig, direkt am Roten Meer gelegen, weitläufig gestaltet und auf den ersten Blick genau das, was viele sich von einem Urlaub in Ägypten erhoffen: Sonne, Palmen, Pools, viel Platz und ein langer Strand, an dem man eigentlich nur ankommen und abschalten möchte. Und tatsächlich gibt es hier auch heute noch Momente, in denen dieses Gefühl aufblitzt. Doch je länger man dort ist, desto deutlicher merkt man, dass dieses Resort zwar noch immer Größe und Potenzial besitzt, aber an vielen Stellen den Charme und die Qualität vergangener Zeiten verloren hat.






Was man dem Long Beach Resort lassen muss: Die Anlage selbst ist beeindruckend groß und grundsätzlich sehr schön angelegt. Anders als in vielen dicht bebauten Hotelkomplexen hat man hier nicht das Gefühl, von Gebäuden erdrückt zu werden. Die Wege sind offen, die einzelnen Bereiche wirken verteilt, und gerade für Familien ist es angenehm, dass sich das Leben auf dem Gelände nicht auf wenige enge Zonen konzentriert. Man läuft durch Gärten, vorbei an Poollandschaften, Restaurants und niedrigeren Gebäuden, und spürt durchaus, dass dieses Resort einmal mit einem gewissen Anspruch geplant wurde. Das eigentliche Herzstück ist aber ohne jeden Zweifel der Strand. Weit, hell, einladend und mit diesem typischen Rotmeer-Gefühl, für das viele überhaupt nach Hurghada reisen: morgens dieses klare Licht, das glitzernde Wasser, der warme Wind – und für einen Moment denkt man, genau dafür hat sich die Reise gelohnt. Der Strand ist traumhaft und bleibt am Ende auch der stärkste Grund, warum man dem Ort trotz aller Kritik nicht vollkommen unrecht tun möchte.
Leider beginnt genau dort die Ernüchterung, wo Urlaub eigentlich erholsam und unkompliziert sein sollte: im Zimmer. Unser Eindruck war, dass viele Bereiche des Hotels inzwischen deutlich in die Jahre gekommen sind und man das nicht nur irgendwo in den Ecken sieht, sondern im ganz praktischen Alltag spürt. Im Bad waren Armaturen defekt, und das Wasser blieb teilweise kalt – etwas, das man in einem Resort dieser Größenordnung und Preisklasse schlicht nicht erwarten sollte. Besonders belastend war jedoch die Klimaanlage. In Ägypten bei Außentemperaturen von rund 40 Grad ist eine funktionierende Klimatisierung kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Im Zimmer kletterte die Temperatur ohne laufende Anlage auf etwa 28 Grad, also musste sie laufen. Gleichzeitig war sie selbst auf kleinster Stufe so laut, dass an einen wirklich ruhigen Schlaf kaum zu denken war. Dieses ständige Abwägen zwischen Hitze und Lärm zog sich durch die Nächte und wurde schnell zu einem Sinnbild für den gesamten Aufenthalt: Man sieht, was das Hotel leisten könnte, aber in der Realität scheitert es zu oft an grundlegenden Dingen.



Was mich darüber hinaus wirklich nachdenklich gemacht hat, war der Umgang mit Ressourcen. In einer Region, die von Hitze, Trockenheit und einem entsprechend sensiblen Umgang mit Wasser geprägt ist, liefen die Rasensprenger gefühlt den ganzen Tag. Natürlich wirken grüne Flächen für viele Gäste gepflegt und luxuriös, aber wenn man in dieser Intensität bewässert, stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage nach dem Maß. Ähnlich war es am Abend: Sobald es dunkel wurde, wurde ein großer Teil der Anlage sehr intensiv beleuchtet. Einerseits schafft das Atmosphäre und Orientierung, andererseits hatte man oft das Gefühl, dass hier nicht durchdacht, sondern einfach maximal eingeschaltet wird. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit nicht nur ein Werbewort sein sollte, hinterlässt so etwas einen unangenehmen Beigeschmack.



Auch beim Personal bleibt ein sehr gemischter Eindruck zurück. Es gab Mitarbeitende, die ausgesprochen freundlich, hilfsbereit und aufmerksam waren – Menschen, die mit kleinen Gesten und ehrlicher Freundlichkeit dazu beigetragen haben, dass man sich in bestimmten Momenten doch willkommen fühlte. Umso irritierender und schwerer wiegend waren die Erfahrungen auf der anderen Seite. Vor allem das Verhalten einzelner Mitarbeiter im Barbereich war aus meiner Sicht deutlich übergriffig. Weibliche Gäste wurden geküsst oder in einer Weise angefasst, die in der Öffentlichkeit – erst recht in einem Familienhotel und in Anwesenheit von Kindern – absolut unangemessen ist. Das ist keine Kleinigkeit und kein kulturelles Missverständnis, sondern ein ernstes Problem. Gerade in einem Hotel, in dem sich Familien sicher und entspannt fühlen sollten, zerstört solches Verhalten Vertrauen und hinterlässt ein Gefühl, das weit über einen einzelnen unangenehmen Moment hinausgeht.
Bummel und sein Freund Krümel waren ebenfalls im Long Beach Resort und hatten dort ihren ganz eigenen Urlaubsstil. Während andere mutig ins Wasser sprangen, blieben die beiden lieber an Land – die großen Korallen und Muscheln sahen ihnen einfach ein bisschen zu abenteuerlich aus.



Dafür haben sie sich beim Essen umso tapferer gezeigt. Das Buffet war einfach großartig: Es gab wirklich alles, was man sich vorstellen kann, und wahrscheinlich sogar noch ein bisschen mehr. Für Bummel und Krümel war schnell klar, dass man auch ganz ohne Schwimmen einen perfekten Urlaub haben kann – solange der Teller immer wieder voll wird.















Umso erstaunlicher war es, dass ausgerechnet ein Bereich, auf den man im Urlaub am liebsten nie angewiesen ist, einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat: die medizinische Versorgung. Dass es bei einem so großen Resort eine direkte Anlaufstelle für medizinische Hilfe gibt, ist grundsätzlich beruhigend – und in einem Hotel dieser Größe mit sehr vielen Gästen vermutlich auch notwendig. Für uns war das leider keine Randnotiz, sondern bittere Realität, denn wir mussten diese Hilfe tatsächlich in Anspruch nehmen, nachdem sich unser Junior den Arm gebrochen hatte, zum Glück am letzten Tag. In so einem Moment zählt nicht die schöne Aussicht, nicht das Buffet und auch nicht der Strand, sondern nur, wie schnell und wie professionell geholfen wird. Genau hier funktionierte es erfreulicherweise gut. Die Versorgung wirkte organisiert, professionell und verlässlich, und in dieser Ausnahmesituation war das ein echter Lichtblick in einem ansonsten eher widersprüchlichen Urlaub.
Ein ganz besonderer und von Herzen kommender Dank gilt Josi. In einer so schweren und beängstigenden Situation, in der man voller Sorge ist, kaum klar denken kann und einem vor Aufregung und Verzweiflung die Tränen kommen, war sie für uns eine unbeschreiblich große Hilfe. Ohne ihre Unterstützung hätten wir diesen medizinischen Notfall nicht so gut überstanden. Sie arbeitet im Long Beach Resort für den Arzt und das Krankenhaus, hat für uns übersetzt, uns beim Ausfüllen der Dokumente geholfen und war einfach da – mit Ruhe, Mitgefühl und einer Selbstverständlichkeit, die uns in diesem Moment unglaublich viel Kraft gegeben hat.
Was man in diesem Zusammenhang allerdings ganz klar sagen muss: Ohne Auslandskrankenversicherung kann ein solcher Zwischenfall schnell zu einer massiven finanziellen Belastung werden. Wer im Ernstfall alles selbst bezahlen muss, steht in kürzester Zeit vor Kosten, die locker in die Tausende gehen können. Allein deshalb würde ich jedem raten, bei Reisen in dieser Größenordnung und in solche Länder nie ohne entsprechenden Schutz aufzubrechen. Wenn ich unser Fazit zum Long Beach Resort in einem Satz zusammenfassen müsste, dann wäre es wohl dieses: ein Ort mit wunderschöner Lage, traumhaftem Strand und einer Anlage, die noch immer zeigt, wie viel Potenzial einmal in ihr steckte – aber zugleich ein Hotel, das seinen früheren Hilton-Charme weitgehend eingebüßt hat und dessen Schwächen man im Urlaub sehr deutlich spürt. Technische Mängel, mangelnder Komfort in zentralen Bereichen, fragwürdiger Umgang mit Ressourcen und das absolut unangemessene Verhalten einzelner Mitarbeiter stehen einem wirklich entspannten Gesamterlebnis im Weg. Es ist kein Ort, den ich nur schlechtreden möchte, denn dafür gibt es zu viele schöne Momente und dafür ist der Strand schlicht zu beeindruckend. Aber es ist eben auch kein Hotel, das ich uneingeschränkt empfehlen könnte. Am Ende bleibt die Erinnerung an einen Urlaub, der eigentlich alles für eine schöne Auszeit gehabt hätte – und dann doch zu viele Dinge hatte, die man nicht einfach wegsehen kann.
