
Neid und Konkurrenz kommen überall vor: unter Freunden und Bekannten häufiger als unter Menschen, die sich nicht nahe stehen. Es gibt ihn im Sportverein, in den besten Familien und natürlich am Arbeitsplatz. „Neid kann tatsächlich motivieren.“ Das funktioniert natürlich nur unter Mitarbeitern, die vergleichbare Arbeit und Leistung vollbringen. So ist der Elektriker sicher nicht neidisch auf den Universitätsprofessor, auch wenn der mehr Geld verdient. „Es geht um Equity, um Gleichwertigkeit und Vergleichbarkeit.“
Wäre es nicht toll, wenn Sie ab sofort immer verstehen könnten, was in den Köpfen Ihrer Kollegen oder des Chefs vor sich geht? Kein umständliches Rätselraten mehr, warum sich die lieben Kollegen plötzlich so merkwürdig verhalten. Keine wilden Vermutungen mehr, was dem Chef über die Leber gelaufen sein könnte. Schluss mit halbseidenen Interpretationen, Deutung von Verhaltensweisen und blöden Missverständnissen.
Höchst wahrscheinlich sind Sie schon ein Meister darin, das Verhalten der Menschen um Sie herum akribisch zu beobachten. Sie analysieren es, setzen es in Bezug zu anderen Beobachtungen sowie zu Ihren bisherigen Erfahrungen und erschaffen sich selbst eine perfekt konstruierte Welt.
Es ist oftmals die Mischung aus Beobachtung von Verhalten, dem Aufschnappen von Gesprächsfetzen, einer Kombination von bisherigen Erfahrungen und anschließender Interpretation. Bestätigt werden die Erkenntnisse dann beim Pausen-Tratsch oder über den Flurfunk: „Hast Du es auch schon mitbekommen …?“, „Was der … wohl wieder im Schilde führt?“
Wenn das alles so eindeutig wäre, warum entstehen so viele Missverständnisse im Umgang miteinander? Unklare Aufträge vom Chef, unausgesprochene Befindlichkeiten unter Kollegen, Unsicherheit, Neid, Missgunst, empfundene Ungerechtigkeit, mangelnde Anerkennung und am Ende häufig auch Fehler.
Und wenn das Fass bereits übergelaufen ist, kommt es zu den echten Erkenntnissen: „Das war doch so nicht gemeint!“, „Woher hätte ich denn ahnen können, dass Du …?“ oder auch schön: „Das hättest Du ja auch mal sagen können, dass …“. Schnell werden aus eben noch unumstößlichen Wahrheiten plötzlich Vorwürfe oder unfaire Erklärungsversuche.
Auf die Idee, genau solche Wahrheiten erst einmal als Hypothese anzusehen, sie zu hinterfragen und genau hin zu hören, was wirklich Sache ist, darauf kommen wir immer seltener. Konstruierte Wahrheiten scheinen uns in einer schnellen Welt willkommener als echte Wahrheiten.
Auch jegliche Form von Schubladendenken beruht auf Beobachtung, Interpretation und selbst konstruierter Wahrheit. Manchmal ist es hilfreich und gut, nur eine Schublade öffnen zu müssen, doch immer mehr wird es in meiner Wahrnehmung zur bequemen Gewohnheit. Schublade auf, die eigene Wahrheit rein, Schublade zu. Fertig.
Eine Entwicklung, die für jeden Einzelnen vielleicht rationales, weil Energie sparendes Handeln in einer immer dynamischeren und komplexen Welt bedeutet, jedoch im Umgang miteinander, etwa in Teams aber auch in der Partnerschaft und Familie immer häufiger zu Fehlinterpretationen und damit Missverständnissen führt und das alles am Ende noch mehr Energie kostet.
Interpretation von Verhalten ist ungenau und ineffizient. Klarheit schafft Leichtigkeit im Miteinander. Verstehen statt Durchschauen, dann klappt’s!