Hat Liebe ein Ablaufdatum? – Wandeln in Zeiten von Garantieverlängerung und Rückgabe

love2Ob es wohl die Schmetterlinge im Bauch sind oder die nicht enden wollende Verliebtheit? Was passiert wenn die Verliebtheit nachlässt, und man den Eindruck hat, sich viel zu früh auf jemanden festgelegt zu haben?

„Wir leben in einer Zeit der Rückgabe-Garantie, die uns vor dem Festlegen schützt: Im Internet kaufen wir Dinge, zu denen wir erst einmal die Bewertungen anderer Kunden lesen und dann problemlos wieder zurückgeben können — der Sendung ist der Retoureschein schon gleich beigelegt.“

Gesucht wird nach eindeutigen Anzeichen, nach abhakbaren Listen, nach Sicherheit — damit endlich klar wird, dass man nichts falsch gemacht hat. Dass man aufhören kann, sich anderweitig umzuschauen. Weil man den Richtigen an seiner Seite hat. Denn alles andere wäre, so scheint es, unzumutbare Zeitverschwendung.

Das ist nicht einfach nur ein Lifestyle-Phänomen. Es ist viel mehr als das. Denn es bringt eine Einstellung zum Ausdruck, die sich in vielen Lebensbereichen schon durchgesetzt hat. Und jetzt eben auch im Privaten. Es ist die Angst, etwas zu verpassen. Die Angst, ein 12-Monats-Abo abzuschließen, wo man doch noch nicht mal weiß, was in drei Monaten ist. Die Angst, die coolere Party zu verpassen, wenn man fest für eine andere Party zusagt.

Und eben auch die Angst, zu einem Menschen „Ja” zu sagen, und nicht zu wissen, ob der „Bessere” nicht schon um die Ecke lauert.

Aber wer so denkt, tut nicht nur sich selbst keinen Gefallen. Er zerstört auch die Beziehung. Denn wer permanent auf der Suche nach dem passenderen Match ist, der wird das, was ist, vernachlässigen. Weil er es nicht wertschätzt.love

Wer mit dieser Einstellung Beziehungen führt, verhindert die Möglichkeit, sich überhaupt noch auf einen Partner einzulassen. Denn mit einer solchen Einstellung ist der Absprung immer schon mitgedacht — lieber wird stattdessen der Markt sondiert.

Die eigentliche Beziehung wird so schnell als belastend empfunden. Im Zweifel steht sie ja zwischen einem selbst und den tollen neuen Möglichkeiten da draußen: „Das Risiko, etwas Besseres zu verpassen oder die Freiheit und Unabhängigkeit des Ungebundenseins zu opfern.

Denn wer vermutet, noch etwas „Besseres“ bekommen zu können, der spürt in erster Linie nichts anderes als die Tatsache, dass in der eigentlichen Beziehung nicht alle Bedürfnisse gedeckt werden.

Der Gedanke, eine Beziehung könnte einem die Freiheit nehmen, ist zwar nachvollziehbar. Aber er ist unsinnig. Denn wirklich frei ist man, wenn man nicht wählen muss.love 3

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