Generation Gehknüppel

Oder… „Menschen mit gewissen Privilegien, Werten und Vorsätzen“

Wir schreiben das Jahr 2012, Dinge passieren die man sich nicht vorstellen kann, wenn man sie nicht erlebt hat, von Ignoranz über Drohungen, Mobbing und Korruption.

Da war sie die erste amtliche Tätigkeit ganz offiziell mit Schreiben vom Gericht, nach 3 Jahren war es endlich soweit, die Arbeit konnte beginnen. Was kommt da auf mich zu? Was erwartet mich? Schaffe ich das alles? Ja ich freue mich auf das Ungewisse und Spannende. Mein erster Mandant, etwas ganz besonderes, er der junge Mann, nennen wir ihn Herrn Q. Als ich Herrn Q. kennen lerne füllt sich das Papier schnell mit vielen Dingen und es stellt sich heraus, das hier viel im Dunkeln liegt und Herr Q. ziemlich schlecht behandelt wird und sagen wir es korrekt auf Grund seiner geistigen Einschränkung von früh bis spät ausgenutzt wird. Dies fängt damit an, dass Herr Q. von morgens um 6 Uhr bis Abend 22 Uhr arbeiten muss. Nun gut das stellt jetzt nichts außergewöhnliches dar aber man stelle fest, er bekommt sage und schreibe eine Bezahlung nach dem Minijobprinzip und muss dafür auch noch Unterkunft und Verpflegung an den Arbeitgeber bezahlen, mein Gott dem Menschen bleibt ja ein Vermögen im Monat übrig erstaunlich das dieser dort noch arbeitet, aber was soll er tun, eine andere Chance hat er nicht.

Schnell wird ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und Herr Q. bemerkt das dort etwas nicht stimmt und fängt an sich zur Wehr zu setzen und schon fangen die Probleme an! Der Arbeitgeber versteckt die dringend benötigten Medikamente des Herr Q. und dieser entwickelt immer mehr Wahnvorstellungen und Psychosen. Die ganze Sache eskaliert und Herr D. sorgt mit unlauteren Mittel – man hat ja Kontakte – das Herr Q. mit der Polizei in die geschlossene psychiatrische Klinik gebracht wird. Herr Q. verweilt dort fast 6 Monate. Herr D. macht aber munter mit seinen unlauteren Geschäftsgebaren weiter. Na ja es geht noch weiter, denn dort arbeiten weitere Personen die starke Defizite haben und auf Grund ihrer Behinderung gar nicht in der Lage sind einzuschätzen was dort passiert. Ebenso ein junger Mann Herr V. arbeitet dort unter gleichen Bedingungen wie Herr Q. und ist derart überfordert mit der Situation.

Auch die Unterbringung des Herrn Q. und des Herrn V. sind echt grandios. Jeder der beiden bewohnt ein Zimmer, mit stattlichen 8qm und es gibt Löcher in der Wand, schließlich muss für Belüftung gesorgt werden und die eigens angesiedelten Hausmäuse brauchen schließlich Auslauf. Ich kann nur sagen jeder halbwegs normale Mensch würde dort weglaufen. Aber es kommt noch besser, Herr X. ein ruhiger älterer Herr arbeitet auch auf dort.

Und jetzt der Knaller der Geschichte, Herr X. arbeitet seit Jahrzehnten unentgeltlich, von morgens bis Abend (6-21 Uhr), 7 Tage die Woche. Und das geht nur weil ihm erzählt wurde er bekäme eine Rente und könne dies als Freizeitbeschäftigung machen. Herr X. bekommt keine Rente sondern Leistungen vom Sozialamt. Auch sind die Mitarbeiter dort nicht gegen Unfall versichert oder ähnliches, nein das würde ja Beiträge kosten die kann man sparen und lieber die eigenen Bedürfnisse damit finanzieren, oder? Anscheinend reichen diese Mittel nicht aus. Was macht man also? Man bringt die zuständige Behörde ins Spiel.

Und dann kommt es wie es kommen muss, es gibt eine Beschwerde nach der anderen bei den Behörden über den Arbeitgeber und alle Ämter fangen an zu ermitteln, das ist wie im Kinofilm. Auch werden alle Beteiligten stundenlang befragt und geben genau die Mißstände an. Man denkt sich, gut gemacht, jetzt kommt alles in Ordnung.

Aber das Gegenteil passiert, die zuständige Behörde, ist darüber nicht erfreut, denn wie soll es sein das macht ja Arbeit, nein das wollen sie nicht und als Strafe bekommt man keine Mandanten mehr und erhält die Auskunft, suchen sie sich doch bitte einen anderen Wirkungskreis, sie sind uns unbequem, sie machen Arbeit und es soll doch bitte alles weiter so ruhig laufen wie bisher. Aber NEIN sorry das liegt nicht in meiner Natur, dass ich Korruption und Vetternwirtschaft unterstütze und die Behörde leistet ganze Arbeit, sicherheitshalber werden natürlich die angrenzenden Behörde darüber informiert, setzt die bloß nicht ein, die nehmen ihren Job zu genau.

Aller Anfang ist schwer dachten wir, aber das schaffen wir, dass dachten wir zu mindestens, für eine Weile. Die Ernüchterung folgte, da ein Fall komplizierter als der andere war. Von Messihaushalten, diversen Suchtkranken, bis zu völlig verwirrten Menschen. Alle Betroffenen die in dieses Schema fallen werden ihrem Schicksal überlassen, nur so versteht man das diese Menschen unerwünscht sind und man sie sehr zielstrebig loswerden möchte, im Prinzip wie Lotto spielen nur spannender. Hilflose Menschen sind der Willkür der Behörden ausgesetzt, es passiert NICHTS im Sinne des Betroffenen und ohne diesen behördlichen Zwang könnten viele würdevoller leben. Fazit nach so vielen Jahren ist man erledigt und verbraucht wenn man nicht das dicke Fell eines Juristen hat. Ich habe dem Ganzen den Rücken gekehrt, das was ich erlebt habe möchte ich nicht missen, obwohl es nicht schön war, aber es hat mir gezeigt wie wertvoll, Respekt und Achtung ist und was ich selbst erwarte. Ich kann mit genügend Abstand nun sagen, dass mir meine kleinen Dinge im Leben viel mehr wert sind, als all das Ganze Theater um das Thema wer hat die meiste Macht und den längsten Atem.

 

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